Sind Armin und Barbara eigentlich ein Paar?

Diese Frage hören wir immer mal wieder und sie wirft ein Licht auf das Thema Beziehung, das uns in unserer Arbeit mit tantrischer Berührung und Massage begegnet und beschäftigt.

 

Sinnlichkeit, Nähe und Beziehung stehen eng beieinander, jedenfalls im gängigen sozialen und kulturellen Kontext; zwar gibt es Liebesbeziehungen, in denen nicht (mehr) berührt wird.  Es gibt jedoch auch Massagebegegnungen, die sehr innig sein können, die Menschen aber nicht in Liebesbeziehung sind. Zudem sind viele Menschen sehr bewegt und teilweise auch verunsichert, was sich in der Beziehungswelt in den letzten Jahren verändert. Die heterosexuelle, monogame Beziehung war lange das einzige erstrebenswerte Beziehungsmodell, dem Viele mehr oder weniger bewusst gefolgt sind. Heute leben immer mehr Männer wie Frauen - ob hetero, homo oder bi - in unterschiedlichen Beziehungskonstellationen: es gibt Solowege, Monogamie, offene Beziehungen, Polyamorie usw. bis zur Beziehungsanarchie. Wo bleibt da die Orientierung und die Klarheit? Aber erst mal der Reihe nach. 

 

Sind die zwei ein Paar?

Ja, wir sind ein Paar – ein Arbeitspaar! Das Thema Berührung, Sinnlichkeit und Sexualität ist unser gemeinsames „Kind“. Wir entwickeln, organisieren und leiten gemeinsam unsere Berührungs- und Massageseminare und verbringen dadurch viel Zeit zusammen. Wir haben wunderbar verbindende Momente in unserem Wirken und auch unsere Reibungspunkte, wie das die meisten Paare kennen. Genauso müssen wir acht geben, dass unser „Kind“ nicht alle Zeit ausfüllt und wir auch die körperliche, sinnliche Ebene zusammen in einer Form leben, die uns unterstützt, entspannt und verbindet, auch wenn wir kein sexuelles Liebespaar sind. Oft beginnen wir zum Beispiel unsere Arbeitsmeetings mit entspanntem Zusammenliegen und erzählen, was uns beruflich und privat beschäftigt. Das sind sowas wie unsere ‘Zwiegespräche’. Massageaustausche versuchen wir als ein Teil unseres Arbeitsalltages einzuplanen (was nicht immer gelingt) oder wir schwingen uns auf den Töff und unternehmen eine Fahrt ins Blaue. Als Arbeitspaar leben wir das, was uns mit der tantrischen Berührung und Massage wichtig ist: eine Möglichkeit der gegenseitigen Unterstützung, die den Menschen mit sich selber, seinem Körper, seinen Gefühlen und seiner sexuellen Kraft in Kontakt bringt, ganz unabhängig ob man/frau miteinander in Beziehung ist oder nicht. 

 

Begegnung und Beziehung

Manchmal kann es sogar freier sein, eine Tantramassage nicht mit dem Partner/der Partnerin zu erleben, weil die Beziehungsdynamiken nicht mitschwingen und es so einfacher ist, sich selber zu spüren und wahrzunehmen. Gleichzeitig kann es ein wunderbares Geschenk sein, sich in einer Beziehung durch die tantrische Massage gegenseitig Unterstützer/in zu sein und einander zu verwöhnen ohne in die sexuelle Gegenseitigkeit zu gehen. Das kann (gerade in langjährigen) Beziehungen neue Dimensionen der Begegnung und Verbindung öffnen. Damit sind wir mittendrin im Thema Beziehung, das uns in unserer Arbeit begegnet und bewegt. Wir unterscheiden in unseren Seminaren zwischen Begegnung und Beziehung. Wir unterstützen die Teilnehmenden sich zu öffnen für Massagebegegnungen ohne die Vorstellung oder Erwartung einer  Beziehung. Eine Begegnung ist ein bewusstes Einlassen und ein bewusstes Loslassen, das Raum öffnet für bedingungslose Wertschätzung und absichtslose Berührung. 

Insofern sind Massagebegegnungen auch eine Form von Beziehungen, aber nur für die Dauer der Massage. Diese Klarheit in der Begegnung kann einen Rahmen kreieren, der tiefe Hingabe und Nähe ermöglicht. Aus solchen Massage-Begegnungen entstehen meist tiefe Freundschaften und eine Offenheit, mit ganz verschiedenen Menschen solche Massageerfahrungen zu teilen. Und es wachsen immer wieder auch verbindliche Liebesbeziehungen daraus – wunderbar!  

 

Was ist deine stimmige Beziehungsform?

Dass sich die Beziehungswelten öffnen und verschiedene Formen lebbar werden, empfinden wir als eine Chance für die Lebendigkeit und Vielfältigkeit des Lebens und ist gleichzeitig eine grosse Herausforderung. Es gibt nicht mehr die eine richtige Beziehungsform, sondern wir haben die Möglichkeit und sind aufgefordert herauszufinden, was für jeden und jede stimmig ist. Das wiederum kann in einer Partnerschaft übereinstimmend sein oder nicht. Da machen wir immer wieder die Erfahrung, dass es wichtig ist zu prüfen, ob es darum geht die Komfortzone zu verlassen, sich unangenehmen Gefühlen zu stellen, Glaubenssätze über Bord zu werfen und Grenzen zu erweitern oder eben gerade für Grenzen einzustehen, sich selber treu zu bleiben und nicht aus Verlustangst sich auf Beziehungskonstellationen einzulassen, die innerlich nicht stimmig sind. Welcher Weg der Richtige ist, kannst nur du selber spüren, dich entscheiden und dafür einstehen. Unsere Erfahrung zeigt, dass uns da die Wahrnehmung des Körpers und der Gefühle wichtige Wegweiser sein können. Dabei kann dir die tantrische Massage helfen, aus der authentischen Verbindung mit dir, deinem Körper und deinen Gefühlen, Klarheit und Ausrichtung für deine Beziehungswahrheit zu finden.  

 

Armin persönlich

Ich bin gerade in einer Lebensphase, in der ich polyamor lebe. Wie das Wort sagt, geht es um mehrere sexuelle Liebesbeziehungen und nicht, wie viele annehmen, um mehrere rein sexuelle Beziehungen. Es ist definitiv nicht die einfache Lösung für schwierige Beziehungsprobleme, sondern eher das Leben und Erfahren beim Lösen von schwierigen Beziehungsthematiken. Die Beziehungsarbeit bleibt (oder wird mehr). Doch es zwingt mich, sie zu machen und der Lohn dafür ist ein Leben in grosser Lebendigkeit und Fülle. 

Barbara persönlich

Ich bin seit längerer Zeit solo unterwegs in meinem Leben und komme immer mehr bei mir selber an. Das fordert und fördert mich, mein Herz in der Tiefe für mich selber zu öffnen und für die körperliche, sinnliche und emotionale Nahrung kompromisslos Selbstsorge zu tragen. Ein tragendes Freundesnetz, Tanz, regelmässige Bewegung in der Natur, nährender Körperkontakt, (sexuelle) Selbstliebe, etc. - um ein paar wichtige Elemente meines Alltages zu nennen – unterstützen mich, um mich solo erfüllt, lebendig und zufrieden zu fühlen. 

 

Eigenkontakt als Basis jeder Beziehung

Ob poly, mono oder solo: wichtig und die Basis bei jeder Form von Beziehung sind der Kontakt zu dir selber und die Selbstliebe. Wenn du mit dir in einer guten Beziehung bist, kannst du Selbstverantwortung und Selbstfürsorge übernehmen. Es ermöglicht dir, deine Themen zu erkennen und dafür Verantwortung zu übernehmen. Ein wichtiger Schlüssel für erfüllende Liebesbeziehungen! Wenn du in dir selber verankert und mit dir selber zufrieden bist, findest du dich auch liebenswürdig - und die Freiheit und Verbindung in deinen Beziehungen wächst. 

 

Armin & Barbara 

 

PS: Wenn du deinen Selbstkontakt und Selbstliebe stärken möchtest, können wir dir unsere Seminare und/oder eine Massagesession bei uns in der Praxis wärmstens empfehlen: www.lebendigkeit.ch

Für alle denen das Thema der Beziehung unter den Nägel brennt, hier eine spannende Literaturinspiration:
Future Love, Matthias Horx

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Kommentare: 8
  • #1

    Bernadette Stadelmann (Mittwoch, 14 November 2018 15:42)

    Liebe Barbara, Lieber Armin

    Sehr sehr schön und mutig wie ihr euch selbst, euere Arbeitsbeziehung, und überhaupt neue Beziehungsformen beschreibt.

    Danke für eueren super Blog!�‍♀️�

    Herzlichst
    Bernadette

  • #2

    Heidi (Mittwoch, 14 November 2018 17:04)

    So wie geschrieben.... so ist die Vielfalt... und ein jeder/eine jede darf seinen Platz im Jetzt finden/definieren.... sich gleichzeitig in einem nächsten Jetzt auch wieder neu positionieren und vielleicht besteht irgendwann auch die Wahrheit, dass ein sich positionieren nicht mehr nötig sein wird, weil wir Menschen freier werden im Sein! Herzdank an euch beide, die ihr mit eurem Wirken einen wunderbaren Raum ermöglicht�.

  • #3

    Daniel (Mittwoch, 14 November 2018 22:56)

    Liebe Barbara, lieber Armin

    Ja, wirklich, ich finde es einen super Blog:)) Toll, wie ihr euch outet und wie eure Herzenswärme auch bei all dem Körperlichen fliesst.

    Und ehrlich, ich wünsche mir auch so eine Arbeitspartnerin ;)

    Macht weiter so. ich komme immer gerne wieder .....

    Herzgrüsse

    Daniel

  • #4

    Carmen (Donnerstag, 15 November 2018 09:33)

    Lieber Armin, liebe Barbara,

    es hat mich berührt, wie Ihr Eure Arbeits-Beziehung beschreibt: so ganzheitlich. Alles darf leben, nichts muss weggedrückt werden. Leider ist das gerade in Arbeitsverhältnissen ja meist völlig verpönt...und nicht nur in Arbeitsverhältnissen sondern auch sonst in Freundschaften. Wir leben (meiner Meinung nach) in einer etwas berührungsfeindlichen Kultur. Ich beschäftige mich schon länger mit diesem Thema, denn ich glaube, die meisten Menschen leiden stärker unter dieser körperlichen (und oft auch emotionalen) Unterkühltheit, als ihnen bewusst ist.
    Danke an Euch, dass Ihr ein so schönes Beispiel für die Lebendigkeit seid!
    Herzlich, Carmen

  • #5

    Barbara & Armin (Donnerstag, 15 November 2018 21:12)

    @ Bernadette: danke für deine wertschätzenden Worte! Umarmung an dich!

    @Heidi: Ja, das glauben wir auch, dass es darum geht freier zu werden - Schritt für Schritt. Es ist uns ein Herzensanliegen Räume zu öffnen für mehr innerer Verbundenheit und Freiheit.

    @ Daniel: dann wünschen wir dir von Herzen eine 'solche' Arbeitspartnerin ;) und wir freuen uns dich wiederzusehen!

    @ Carmen: wir sind gerne ein Beispiel für die Lebendigkeit - danke für deine Worte!

    Herzlich an alle Barbara & Armin

  • #6

    Joshua (Donnerstag, 15 November 2018 21:16)

    Cool! Euer authentisches Zeigen inspiriert mich.
    Das Thema passt allgegenwärtig und triggert. Lektüre für längeres nachdenken-nachfühlen.
    Danke.

  • #7

    Isabelle (Dienstag, 27 November 2018 09:13)

    Liebe Barbara und lieber Armin, das ist mein allererster Blockeintrag. Danke für euer mitteilen. So klar. So authentisch mit Leichtigkeit, Herz, Ehrlichkeit, das Leben umarmend mit allem was es mit sich bringt. Ich danke euch für Eure Arbeit/Berufung. Für euere Bereitschaft. Und so bescheiden und beherzt voran gehen. Es gibt mir Boden, meinen Weg ebenfalls zu gehen. Und Freude euch und eure Seminare zu besuchen und selbst weiter zu wachsen. Es inspiriert mich und es ist ein Geschenk für mich uns viele. Ganz liebe Grüsse euch beiden. Herzlich Isabelle Rechsteiner

  • #8

    Armin & Barbara (Montag, 10 Dezember 2018 10:28)

    @Joshua: Danke und schön von dir wieder zu hören, was du gefühlt und gedachst hast bei der Lektüre!

    @ Isabelle: Danke dir von Herzen für deine Worte an uns und dein Vertrauen! Vo Härze Barbara & Armin